Das Neue Rathaus ist der Sitz des OberbĂŒrgermeisters und der Stadtverordnetenversammlung von Wiesbaden. Der Neurenaissancebau wurde 1883 bis 1887 von Georg von Hauberrisser errichtet. Die Fassade zum Schlossplatz wurde Anfang der 1950er-Jahre nach erheblichen Kriegszerstörungen verĂ€ndert wieder aufgebaut.. Das neue Rathaus als Sitz des OberbĂŒrgermeisters und der Hauptverwaltung der kommunalen Behörden weist einen reprĂ€sentativen, groĂzĂŒgigen doppelten Treppenaufgang auf, verfĂŒgt ĂŒber einen durch seine schlichte Eleganz wirkenden Festsaal sowie einen modernen funktionalen Sitzungssaal fĂŒr die Stadtverordneten.
Das Neue Rathaus ist der Sitz des OberbĂŒrgermeisters und der Stadtverordnetenversammlung von Wiesbaden. Der Neurenaissancebau wurde 1883 bis 1887 von Georg von Hauberrisser errichtet. Die Fassade zum Schlossplatz wurde Anfang der 1950er-Jahre nach erheblichen Kriegszerstörungen verĂ€ndert wieder aufgebaut.
Lage
Das GebĂ€ude befindet sich am Schlossplatz, gegenĂŒber dem Stadtschloss, Sitz des Hessischen Landtags, und nebenan links der Marktkirche. Das Alte Rathaus steht rechts an der MarktstraĂe.
Die beiden RĂŒckseiten des Neuen Rathauses grenzen an das Dernsche GelĂ€nde und an den Marktplatz mit der MarktsĂ€ule. Ganz in der NĂ€he befindet sich die Marktkirche Wiesbaden.
Funktion und Architektur
Hauptbau
Zum Markt hat die Fassade eine LĂ€nge von circa 100 Metern, auch die RĂŒckseite ist fast genauso lang. Eine Ecke ist abgeschrĂ€gt, so dass der Grundriss etwa einem schiefen Trapez entspricht. Es hat vier Hauptgeschosse und das Satteldach enthĂ€lt noch eine weitere Dachetage. Die Fenster der DachrĂ€ume sind als Dachgauben ausgebildet. Als Bauschmuck dienen zwei verschiedene achteckige TĂŒrmchen, mit einer Spitzhaube abgeschlossen, und ein mittiger Staffelgiebel. Der Hauptbau ist im Stil der Neorenaissance gehalten, zur Fassadenverkleidung dient teilweise roter Mainsandstein. Das Dach ist mit einer Schiefereindeckung ornamental gestaltet.
Auf der RĂŒckseite fĂŒhrt eine einladende Freitreppe zu den fĂŒnf gleich groĂen Eingangsportalen. Dieses erhaltene historische Fassadenteil wird von einem zweietagigen monumentalern Erker umrahmt.
Das AmtsgebĂ€ude besitzt neben seiner eigentlichen Bestimmung auch öffentliche AusstellungsrĂ€ume sowie einen von der Bayerischen Gastronomie AG betriebenen Ratskeller. AuĂerdem sind hier wichtige Bereiche der Stadtverwaltung angesiedelt. ReprĂ€sentativ ist der groĂe Sitzungssaal. Das Standesamt befindet sich dagegen im alten Rathaus.
Das Rathaus wird mit Thermalwasser beheizt. Es ist an das Leitungsnetz mit der Aufbereitungsanlage der Kaiser-Friedrich-Therme angeschlossen.
Ratskeller
Im Jahr 1890 erhielt der Wiesbadener Maler Kaspar Kögler den Auftrag zur Ausmalung des Ratskellers. Um die Aufgabe bewĂ€ltigen zu können, zog er seinen in Wiesbaden-Biebrich gebĂŒrtigen SchĂŒler Wilhelm Weimar (1859â1914) hinzu.
Kögler schmĂŒckte den Weinkeller und das RatsstĂŒbchen mit launigen GemĂ€lden und versah seine Malereien mit witzigen Texten. Sein ehemaliger SchĂŒler Heinrich Schlitt â damals 41-jĂ€hrig und mittlerweile erfolgreich in MĂŒnchen tĂ€tig â war ebenfalls an der Ausmalung des Wiesbadener Ratskellers beteiligt. Er gestaltete den Bierkeller mit humorvollen Szenen und SprĂŒchen.
Der vielsagende Reim: âOb Heide, Judâ oder Christ, herein was durstig istâ, der den Gast â zusammen mit der Darstellung eines Herrn im Frack und Zylinder, einem Juden mit Pejes-Locken im Kaftan und einem SĂŒdseekannibalen im Bastrock â am Eingang zum Ratskeller begrĂŒĂte, wurde offensichtlich den Malereien in der Zeit des Nationalsozialismus zum VerhĂ€ngnis. Obwohl unter Denkmalschutz stehend, wurden die kostbarsten realistischen, wilhelminischen Fresken ĂŒbertĂŒncht.
Bei der Restaurierung des Rathauses 1987 erwog der Stadtrat, die alten Fresken wieder freizulegen. Doch sie wurden aus KostengrĂŒnden nicht restauriert, sondern getilgt und gingen ein zweites Mal und damit endgĂŒltig verloren.
Der damalige PĂ€chter des Rathauskellers engagierte auf eigene Kosten den jungen Wiesbadener Maler Eberhard MĂŒnch â der damals noch historisch-realistisch orientiert war â damit dieser nach alten Vorlagen die KellerrĂ€ume im Stil von Kögler und Schlitt neu gestalten konnte.
Seit dem 21. Jahrhundert betreibt die Bayerische Gastronomie AG den Ratskeller. Nach dem Verbleib der MĂŒnchâschen Malereien gefragt, lautet die dortige Antwort: âDie RĂ€ume wurden renoviert!â
Geschichte
Der Gemeinderat hatte im Jahr 1882 einen Architektenwettbewerb (eine Concurrenz) fĂŒr die Errichtung eines neuen Rathauses der aufstrebenden Stadt ausgeschrieben. Das alte Rathaus aus dem 17. Jahrhundert genĂŒgte weder vom Platzangebot noch von der ReprĂ€sentation her den gewachsenen AnsprĂŒchen.
Mindestens 5 detaillierte PlÀne, unter anderem von Hans Grisebach, Oscar Sommer, H. Reinhardt und der Gemeinschaft Holst & Zaar wurden eingereicht.
Der Sieger-Entwurf des Baumeisters Georg von Hauberrisser, welcher auch das Neue MĂŒnchner Rathaus und das Rathaus St. Johann in SaarbrĂŒcken entwarf, wurde unter dessen Bauleitung realisiert. Bereits 1887 war der Bau fertiggestellt und wurde feierlich eingeweiht.
ĂuĂerlich ĂŒberbot die Architektur des Rathauses das gegenĂŒberliegende Stadtschloss an Prunk. Mit dem malerisch-altstĂ€dtischen Erscheinungsbild im Renaissance-Stil wollte die Stadt den Vertretungsanspruch der kommunalen Selbstverwaltung im Kaiserreich demonstrieren. Der Grundriss ist fĂŒnfeckig und war jeweils mit einem Eckturm versehen.
Im Zweiten Weltkrieg, genauer noch im Februar 1945, wurde das GebĂ€ude in Teilen zerstört. Der beherrschende kunstvoll ausgestaltete Hauptgiebel mit seinen zwei spitzen TĂŒrmen hatte den Krieg ĂŒberstanden. Doch im Jahr 1949 lieĂ die Stadtverwaltung die Front abreiĂen, weil eine akute Einsturzgefahr bestand. Bis auf den Eingang wurde die Front stark verĂ€ndert und vereinfacht aufgebaut, und ein Stockwerk wurde aufgesetzt. Die gewölbte Eingangshalle und das Treppenhaus blieben erhalten.
Sehenswert ist auch im 21. Jahrhundert das gut erhaltene Bauwerk im Zentrum der Stadt. Der KĂŒnstler Michael Wörner hatte das Neue Wiesbadener Rathaus als Vorlage fĂŒr ein Modell aus Lego-Bausteinen gewĂ€hlt und es im Jahr 2018 im Rathaus der Ăffentlichkeit prĂ€sentiert.
Siehe auch
- Altes Rathaus (Wiesbaden)
- Liste von SehenswĂŒrdigkeiten in Wiesbaden
Literatur
- Kaspar Kögler, Heinrich Schlitt: Die Wandmalereien im Ratskeller zu Wiesbaden: 124 Abbildungen nach den Originalhandzeichnungen von Kaspar Kögler und Heinrich Schlitt mit begleitendem Text. GebrĂŒder Petmecky, Wiesbaden o. J. (nach 1895)
- Woldemar Waldschmidt: Kaspar Kögler (1838â1926) In: Karl Wolf (Hrsg.): Nassauische Lebensbilder. Band 3. Wiesbaden 1948, S. 237â242.
- Bertram Heide: Altmeisterliche Maltechnik im Wiesbadener Ratskeller, Eberhard MĂŒnch rekonstruierte die GemĂ€lde des Wiesbadener Maler-Poeten Caspar Kögler / Illusionsmalerei aus der Versenkung gehoben. In: Wiesbadener Tagblatt, 26. Juni 1987.
- Marianne Fischer-Dyck, Gretel Baumgart-Buttersack: Geschichten aus dem alten Wiesbaden, Kaspar Kögler â 150 Jahre, und nicht vergessen ⊠In: Wiesbadener Leben, 3/1988, S. 29.
- GĂŒnther Leicher: Kaspar Kögler. Leben und Werk. Wiesbaden 1996, ISBN 3-928085-11-5.
- Baedeker Wiesbaden Rheingau. Karl Baedeker, Ostfildern-Kemnat 2001, ISBN 3-87954-076-4.
Weblinks
Einzelnachweise
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